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Ökumenische Andacht am Steg

Predigt von Pfarrer Johannes Metzdorf-Schmithüsen zum 125. Geburtstag der Rudergesellschaft Trier

Als Mohammed Achmed im Sudan einen Aufstand gegen Großbritannien anzettelte, - Benito Mussolini geboren und in Preußen die Verwaltungsgerichtsbarkeit eingeführt wurde, - als Nietzsche herauskam mit „Also Sprach Zarathustra“  und August Bebel mit „Die Frauen und der Sozialismus“, Richard Wagner starb und Brahms die Sinfonie Nr. 3, F-dur komponierte, - als die Weltausstellung in Amsterdam war, Franz Kafka geboren wurde und Erich Heckel, Maurice Utrillo und der von mit heiß geliebte Joachim Ringelnatz ( der eigentlich Bötticher hieß ), - ja, als in Leipzig die erste deutsche Säuglingsfürsorge eingerichtet wurde und es in Deutschland zur gesetzlichen Einführung der Krankenversicherungspflicht kam, - ungefähr um diese Zeit Cézanne sein Bild malte „Landschaft mit Brücke“ und Liebermann „Münchner Biergarten“, - als also Zola seinen Roman „Zum Paradies der Damen“ veröffentlichte, Karl Jaspers geboren wurde und Edouard Manet und auch Karl Marx starben, - als die Metropolitan Opera in New York eröffnet wurde, Kluge mit seinem „Ethymologischen Wörterbuch der deutschen Sprache“ herauskam, der Orient-Express Paris-Türkei startete und Pierre Curie elektrische Ladungen bei Kristallverformung entdeckte und Cantor mit seinem Werk „Grundlagen einer allgemeinen Mannigfaltigkeitslehre“ zum Begründer der mathematischen Mengenlehre wurde, - ja also das alles geschah, - Daimler hatte gerade sein Patent auf einen Automotor angemeldet und der englische Abenteuerroman „Die Schatzinsel“ von Stevenson fesselte die Welt, - das also geschah 1883 und vieles mehr – wurde in Trier ein Ruderverein gegründet. Darum sind wir hier. Und Pastor Waldorf und ich begrüßen Sie herzlich zu diesem andächtigen Morgen – dem Start in die Jubiläumsfeierlichkeiten.

Zu einer Sonderbriefmarke hat es leider nicht gereicht, obwohl wir uns deren Gestaltung gut vorstellen können. Das Jahr 1883 ist dennoch jetzt auf einer Sonderbriefmarke zu lesen – zum Geburtstag von Joachim Ringelnatz. Auf dieser Marke ist ein Gedicht von ihm abgedruckt: 

«Ein männlicher Briefmark» ...
                Ein männlicher Briefmark erlebte
                Was Schönes, bevor er klebte.
                Er war von einer Prinzessin beleckt.
                Da war die Liebe in ihm erweckt.
                Er wollte sie wieder küssen,
                Da hat er verreisen müssen.

Und nun kommen noch zwei Zeilen, die sind auf der Briefmarke nicht mehr zu lesen, hat wohl nicht mehr drauf gepasst. Schade! Das Gedicht endet:

                So liebte er sie vergebens,
                Das ist die Tragik des Lebens.


Reden wir aber heute von einer Geschichte, die nicht tragisch endet:

Die Liebe zu Ihrem Ruderverein.

Wer sich mit den vier Elementen beschäftigt, - wie z.B. es auch die Landesgartenschau in Trier gemacht hat, - mit Feuer, Wasser, Luft und Erde, wird sich nicht wundern, dass auch die Bibel, die ja auch einiges Elementare zu bieten hat, - dass auch sie eine Reihe von Texten mit „Feuer, Wasser, Luft und Erde“ überliefert. Das uns heute gerade und besonders interessierende Wasser begegnet uns gleich am Anfang im Schöpfungsbericht

( Ge. 1,2: „ Und der Geist Gottes schwebte auf dem Wasser“ ), - und wer dann ganz, ganz hinten im neuen Testament ( am Ende der Bibel ) wieder aufschlägt, der findet, der findet im viertletzten Vers der Offenbarung wieder eine Wasser-Stelle ( Offenb. 22,17 ): „Wer da will, der nehme das Wasser des Lebens umsonst.“ Und dazwischen – viel Wasser: die Sintflut; das rote Meer und der Durchzug des Volkes Israel; der Prophet, der mit seinem Mantel die Wogen des Flusses zerteilt; die Psalmisten. Da schon gleich Ps.1 „Der ist wie ein Baum, gepflanzt an den Wasserbächen“; Tröstliches und Trauriges: „Dein Weg ging durch das Meer und dein Pfad durch großes Wasser“ (Ps. 77 ); „An den Wassern zu Babel saßen wir und weinten ( Ps.137 ), usw. usw. Und so geht das weiter bis zum Neuen Testament und seinem Ende, - an die 365 Stellen zum Thema „Wasser“. Für jeden Tag eine. Mindestens genauso oft wie „Fürchte dich nicht!“ Da kann man auch sagen: Für jeden Tag ein: „Fürchte dich nicht!“

Kein Wunder also, dass Elementares geschieht am Element Wasser hier auch in dieser Jesusgeschichte am See in der vierten Nachtwache, so morgens zwischen drei und sechs, wenn wir gewöhnlich noch schlafen.
  1. Jesus wird mit einem Phantom verwechselt, einem Gespenst, und Jesus heilt sie, die Jünger, gewissermaßen von ihren Phantomschmerzen. Das macht er....
  2. dadurch, dass er nicht müde wird, seinen Leuten immer wieder einzuschärfen, was existenziell wichtig ist: „Seid getrost, ich bin’s. Fürchtet euch nicht!“ Ganz die Tradition seines Volkes, das seit Josuas Zeiten das eingeschärft bekommt: „Sei getrost und unverzagt.“  Aber er scheut sich nicht auch Klartext  zu reden. Das macht er, indem er....
  3. Petrus ( wir können ihn in dieser Situation ruhig einen „Backenbläser“ nennen ) harsch angeht: „Wieso bist du eigentlich so kleingläubig?“ Matthäus liebt diesen Ausdruck: oligopistos, - für die mal Griechisch hatten. Der Theologe Karl Barth übersetzt da gerne, das Wort, mit „schielend“
    - Du schielst noch woanders hin.
    - Du traust dem Frieden nicht.
    - Du brauchst noch andere Versicherungen.

Da geschieht also eine Menge am Wasser, - am See Genezareth.

Kleiner Gedankensprung:

Ich könnte mir vorstellen, dass es viele gute Gründe gibt, einem Ruderverein beizutreten.

  -  Körperliche Betätigung, die Ästhetik der gleitenden Bewegungen.... 
  -  das Ausgesetztsein der Witterung... – die Erbringung einer gemeinsam erbrachten Leistung... 
  -  der Frohsinn in einer Gemeinschaft. 

Vielleicht ist es aber auch gerade der Umgang mit dem Element „Wasser“, der ( vielleicht das unbewusst ) zu diesem besonderen Sport hinzieht: dem Leben ein Stück näher, etwas näher dran am Elementaren, dichter bei den großen und wichtigen Fragen! „Na ja“, sagt da vielleicht einer unter Ihnen, „ das ist alles ganz schön hoch gegriffen! Mit so grundsätzlichen und tief schürfenden Gedanken bin ich gar nicht bei den Sache!“

Na ja, kann ja sein,  - aber ich gebe sie hiermit zu bedenken.

Kollege Waldorf hat uns eine interessante Geschichte vorgelesen und ich hänge mich dran mit diesen Gedanken: Das Jubiläum des Vereins gibt uns Anlass über unsere Phantomschmerzen nachzudenken; nach dem zu fragen, was uns tröstet und getrost macht, und auch einmal darauf zu gucken, wohin ich alles schiele, um meinem Leben eine Gestalt zu geben.

Die Jesusgeschichte endet mit einer speziellen Art der Dankbarkeit, wir haben davon gehört. Sie, die Dankbarkeit, soll auch bei uns am Ende stehen: Wenn man auch zu sagen pflegt, Wasser habe keine Balken, - so gab es sie doch im Laufe der Vereinsgeschichte, z. B.:

  -  Keiner ist durch die Ruderei im Laufe der Jahrzehnte zu Tode gekommen.
  -  Es gab immer genug Menschen, die den Verein durch die Geschichte besonders getragen haben.
  -  Die Mannschaftsleistung ist immer noch der tragende Grund.

Gründe genug, um wenigstens schon einmal im Hinblick auf die Vereinsgeschichte nicht „kleingläubig“ zu werden.

Letzte Anmerkung: Im Handeln der Kirche spielt Wasser eine zentrale Rolle. Sie tauft damit. Und sie tauft auf den Kopf. Wie beruhigend: das Denken und Nachdenken ist anscheinend keineswegs unerwünscht.

Amen

Segen:

Gott segne dich.
Er erfülle deine Füße mit Tanz,
dein Herz mit Zärtlichkeit,
deine Augen mit Lächeln,
deine Ohren mit Musik,
deine Seele mit Frieden.